Die Schüler bringen die Noten selber mit

Das erweitert mein Spektrum und fordert mich als Klavierlehrer heraus, wenn die Klavierschüler mit ihren eigenen Noten in den Klavierunterricht in Bern kommen. Dadurch lernen die Klavierschüler genau die Stücke, die ihnen gefallen oder von denen sie vielleicht eine Tonaufnahme machen möchten. Ich erlebte das kürzlich mit Martina, die mit der Mondscheinsonate von Beethoven und später mit dem Comtine d'un autre été von Yann Tiersen in den Klavierunterricht kam. Das letztere Klavierstück war eine Neuentdeckung in meinem "Repertoire".

Die Gymnasiasten bringen ihre Fragen zur Musiktheorie mit

Schüler und Schülerinnen aus der Grund- und Mittelschule können ihre Prüfungen in Musik beim Klavierlehrer in der Länggasse vorbereiten. Sie erhalten in der Nachhilfe in Musiktheorie die nötigen Grundlagen, um optimal auf bevorstehende Tests im Gymnasium vorbereitet zu sein.

Warum nicht gleich ganz ohne Noten Klavier spielen?

Als ich bei Marianna Polistena aus Bern Klavierunterricht nahm, musste ich die gelernten Jazz-, Pop- und Blues-Klavierstücke ohne Noten nach Hause nehmen, sie war selber fast blind. Entweder brachte sie mir die Stücke Schritt für Schritt bei und ich registrierte das Gelernte, oder ich nahm sie auf Cassette auf und hörte sie zu Hause und spielte sie nach. Dieses direkte Spielen auf dem Klavier ohne Noten gibt einem das Gefühl von Freiheit. Manchen Klavier-Schülern bringe ich so z.B. "Your Song" oder "Blue Eyes" von Elton John oder "Aisha" von John Coltrane bei - ganz im Stil von Marianna Polistena, die in Polo Hofers Schmetterband gespielt hatte. Sich die Musik so angeeignet, vergisst man sie nicht so schnell wieder. Man verinnerlicht die Abläufe, indem man sie gleich von Anfang direkt auf dem Klavier ohne Noten spielt und immer wieder aus der Erinnerung heraus abrufen kann: Man sitzt ans Klavier und spielt die Stücke, als wären es die eigenen und braucht keine Noten.

In einer Klavierlektion mit Ennio machte ich die Erfahrung, wie es einfacher geht, wenn man Henry Manchinis "Pink Panter" in kleinen Abschnitten ohne Noten auf dem Klavier spielt. Zunächst sträubte er sich und wollte das interessante Klavierstück ab Blatt spielen. Aber er merkte, wie es viel einfacher ging, als ihm der Klavierlehrer dieses Stück direkt auf dem Klavier beibrachte - die Noten sind durch den vertrackten Rhythmus auf dem Notenblatt schwierig zu entziffern und erschweren den Zugang zum Stück. Es war im Vergleich viel einfacher und eingängiger für ihn, das Klavierstück dem Klavierlehrer nachzuspielen.

Hintergrund dieses eher freien Spiels auf dem Klavier ist immer die Musiktheorie mit den Dur-, Moll- und modalen Tonleitern und den fünf Grund-Vierklängen, die der Improvisation den Tonvorrat liefern und die auch einzeln in allen zwölf Tonlagen geübt werden sollten.

Spassfaktor Klavierunterricht trotz Musiktheorie

Ohne Leistung kommt man auch im Klavierunterricht nicht weiter, und dass Sie zu Hause üben, ist Voraussetzung für den Lernerfolg. Die Freude an der Musik soll aber erhalten bleiben und wir nehmen uns Zeit, die Klavierstücke gründlich einzuüben, allenfalls auch mal einen Ton höher zu spielen und, wenn es passt, die jeweilige Komposition auch von der Musiktheorie her anzuschauen, d.h. sie von der Tonart, vom Aufbau und von der Kompositionstechnik her zu untersuchen. Dieser Zugang stellt eine Verbindung von Musiktheorie und Praxis her, Sie können die Stücke so besser einordnen und Schüler lernen die Theorie, die sie auch im Musikunterricht durchnehmen.

Doppelte Bereicherung im Klavierunterricht in Bern-Länggasse

Jede Klavierlektion hat durch die individuelle Interpretation der ausgewählten Musikstücke ihren besonderen Charme und eigenen Charakter. Sie ist für die Schüler wie auch für mich als Klavierlehrer bereichernd und weckt die Freude an der Welt der Töne. Auch wenn die Kompositionen nie ganz perfekt ausgeführt werden, wenn der Rhythmus etwas holpert oder sich unpassende Töne einmischen, haben sie eine anregende Wirkung auf den Spielenden selber und auf den Zuhörenden. Der Klavierunterricht bietet eine Gelegenheit, die positive, aufbauende Atmosphäre der gespielten Noten selber zu erleben und aktiv mitzugestalten. Die Erinnerung daran begleitet uns in den Alltag und wird beim Üben wiederhergestellt. Es ist dann, als ob das Klavier einem etwas davon, was man ihm über die Tasten eingibt, zurückgeben möchte - aber nur solange man auch darauf spielt, denn die Musik ist die zeitgebundenste und vergänglichste aller Künste :)

Der kognitive Aspekt des Klavierunterrichts darf nicht unerwähnt bleiben: Beim Klavierspielen wird unser Gehirn aktiv. Die zehn Finger, rechte und linke Hand müssen koordiniert werden, die Noten vom Blatt den Weg auf die Tasten finden und das Zusammenspiel zwischen allen Klavier-Tönen muss hergestellt werden, damit ein harmonisches Klavier-Stück entsteht. Jüngeren, aber besonders auch älteren Menschen bietet der Klavierunterricht so die Möglichkeit, die Denk- und Erinnerungsfähigkeit zu schulen und zu erhalten.

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